Ein Artikel über gutes Design, klasse Usability und die Realität

Validität vs. Semantik

Martin Wolf, Betreiber des Blogs Visuelle Gedanken hat mich mit einem Tweet für die passende Inspiration gesorgt und mich dazu gebracht nun diesen Blogpost zu schreiben. Es geht um gute Designs, eine hohe Benutzerfreundlichkeit und das Elend der Realität.

Meine Ausgangslage

Ich bin nicht selbstständig, sonder in einer kleinen Werbeagentur tätig. Somit habe ich nur begrenzten Einfluss über auf mich zu kommende Projekte. Ich bin in dieser Agentur hauptsächlich in der Entwicklung tätig. Design und Fotografie spielen hier nur in Ausnahmefällen eine Rolle.

Gelegentlich kommen schon mal Frontend-Entwicklungen dazu. Sprich Umsetzungen von Designs in HTML und CSS.

Als Basis kommen Content Management Systeme wie WordPress und TYPO3 zum Einsatz und nein, ich möchte nun keine Diskussion darüber, ob es sich bei WordPress um ein CMS handelt oder nicht.

Wie bei vielen kleinen Agenturen, erstellen und betreuen wir hauptsächlich Projekte für den Mittelstand. Neben Firmenpräsentationen und Onlineshops sind natürlich auch Projekte mit anderen Schwerpunkten dabei, aber diese stellen nur einen kleinen Teil dar.

Soviel zu meiner Ausgangssituation und meinem Blickwinkel auf die Materie.

Gutes Design

Über eine hübsche Internetseite freut sich natürlich jeder, sowohl der Betreiber eines Webprojektes, wie auch der Besucher. Aber unter dem Begriff Design versteht man durchaus etwas mehr als nur gut aussehend.

Neben der evtl. bestehenden Corporate Identity eines Unternehmens, spielen bereits hier schon Dinge wie die Benutzerfreundlichkeit eine Rolle. Auch wenn dieser Bereich nicht unbedingt meinen Alltag erfüllt, so ist dies doch die Grundlage, auf die meine weitere Arbeit aufbauen wird. Somit handelt es sich hierbei um eine wichtige Phase des Entwicklungsprozesses für ein neues Webprojekt.

Die Umsetzung für das Frontend

Bei der Frontend-Entwicklung geht es um alles was an den Browser übergeben wird. Neben (x)HTML und CSS fällt auch JavaScript in diesen Bereich. Und genau da ist der Punkt. Eine Internetseite muss sowohl mit, sowie auch ohne JavaScript bedienbar sein. Auch wenn der Besucher mit aktiviertem JavaScript evtl. Vorteile genießt, so muss der Nutzer ohne JavaScript trotzdem den gesamten Funktionsumfang nutzen können.

Desweiteren ist eine valide Umsetzung eine wichtige Grundlage. Das valide Umsetzungen aber nicht gleich für ein semantisches Web sorgen, habe ich bereits hier auf dem Blog erläutert.

Generierung der Internetseite und ihre Verwaltung

Für die endgültige Generierung, des für das Frontend benötigten Codes, wird in den meisten Fällen ein Content Management System zur Hilfe genommen. Während das Grundgerüst noch von einem Frontend-Entwickler umgetzt werden kann, kommt es bei der Formatierung von Inhalten schnell zu Problemen.

So genannte WYSIWYG-Editoren ermöglichen die Pflege von Inhalten ähnlich wie in einem Textverarbeitungsprogramm. Neben der Tatsache, dass viele auch mit Programmen wie Microsoft Word oder dem OpenOffice Writer keine sauberen Textdokumente erzeugen können, ist ein WYSIWYG-Editor nicht in der Lage alle möglichen Formatierungen in semantisches Markup umzusetzen.

Ich für meinen Teil nutze den visuellen Editor in WordPress (TinyMCE) zum Beispiel gar nicht. Auch wenn ich diesen Editor für einen der besten WYSIWYG-Editoren halte, der momentan verfügbar ist.

Das Ziel

Das Ziel ist natürlich immer eine Webseite, die sowohl für Suchmaschinen, sowie auch für den Nutzer perfekt optimiert ist. Ja, ich habe die Suchmaschinen bewusst vor dem Nutzer erwähnt, denn auf diese wird häufig leider viel mehr Wert gelegt, als auf den User.

Auf diese nun "perfekt optimierte" Seite packen wir nun noch ein tolles Design und alle sind glücklich.

Das wirkliche Ziel

Um nochmal den Tweet von Martin aufzugreifen, möchte ich hier nun kurz erläutern wie das eigentlich Ziel einer Webseite aussehen sollte.

_martinwolf: Irgendwann will ich nur noch wenige (ca 5/Jahr) Websites machen, die fantastisch aussehen und perfekt zu nutzen sind. (Designs macht @UARRR)

Abgesehen von der Suchmaschinen-Optimierung sollte der Nutzer der Seite im Vordergrund stehen. Eine Internetseite erfordert eine ständige Pflege, Wartung und Weiterentwicklung.

Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass mehrere Leute ein Webprojekt dauerhaft betreuen. Neben den Weiterentwicklungen ist eine dauerhafte Analyse der Zugriffe etc notwendig. Content Manager sorgen regelmäßig für neue Inhalte und auch die Wartung von CMS und Server wollen erledigt werden.

Die Realität

Die Realität sieht in den meisten Fällen leider etwas anders aus. Da die Suchmaschinen Optimierung heutzutage ein wichtiges Thema ist, kommt der endgültige Nutzer, auf Grund des Budgets des Seitenbetreibers, oft zu kurz. Da muss ein "angepasstes", bereits vorhandenes Design einem neuen weichen und auch die Migration auf ein CMS ist nicht selbstverständlich.

Durch viele Billighoster (z.B. Zahl/Wort/Zahl) sorgen für ein falsches Verständnis der Kunden. Eine gute Server-Grundlage und ein CMS auf dem aktuellsten Stand sind nur zwei Punkte von vielen, die einen einwandfreien Betrieb ermöglichen.

Fazit

Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Wirtschaftlich gesehen ist dies sicherlich eine schwierige Sache. Zum Glück muss ich mich mit diesen Problemen nicht großartig beschäftigen. Aus Sicht des Entwicklers fehlt für viele Projekte allerdings eine Menge Zeit und weitere Unterstützung. Für viele steht das Kürzel SEO nämlich leider nur für die OnPage-Optimierung.

Eigentlich ist für alle Bereiche zuwenig Zeit da. Das Budget bestimmt nun mal den Zeitrahmen und dieser bestimmt den Umfang und natürlich auch die Qualität.

Ich hoffe auf jeden Fall, dass Martin und mein Namensvetter ihr Ziel verfolgen und auch erreichen und wünsche ihnen viel Glück dabei.

Wie seht ihr das Ganze? Wo ist die Grenze zwischen dem Wunschprojekt und der, wirtschaftlich gesehen, möglichen Umsetzung?

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2 Kommentare zu “Ein Artikel über gutes Design, klasse Usability und die Realität”

  1. Der Webdesigner oder auch der Designer, der Entwickler, der SEO und mehr » Nikonierer

    8. Dezember 2011 um 20:24

    […] Was bei der kleinen Firmenpräsentation noch einfach zu sein scheint, wird mit jeder neuen Unterseite und mit jeder neuen Funktion zu einem größeren Problem. Mal abgesehen von der Tatsache, dass selbst bei kleinen Firmenpräsentationen oft die Nutzbarkeit auf Grund anderer Dinge leiden muss. Auch in diesem Bezug habe ich schon mal einen Artikel veröffentlicht: »Ein Artikel über gutes Design, klasse Usability und die Realität« […]

  2. Blog Jahresrückblick 2011 » Nikonierer

    27. Januar 2012 um 23:20

    […] Ein gutes Design ist wichtig und benutzerfreundlich soll das Ganze natürlich auch sein. Im April gab es einen Artikel über die bittere Realität. […]