Fotografie entspricht nicht der Realität – Teil 3/3

Wieviel Bildbearbeitung ist erlaubt

Hier folgt nun der dritte und letzte Teil der Serie »Fotografie entspricht nicht der Realität«. Im letzten Teil soll es neben der Bildbearbeitung auch um die Wahrnehmung gehen. Wie nehmen Menschen Fotos wahr und inwiefern ist dieser Eindruck mit der Realität vereinbar?

Entwicklung vs. Bearbeitung

Viele bezeichnen die digitale Entwicklung von Fotos mit Hilfe von Lightroom, Aperture und Co. als Bildbearbeitung und sicherlich ist dieser Übergang ab einem gewissen Punkt durchaus fließend. Nichtsdestotrotz lässt sich auch in der analogen Fotografie während der Entwicklung Einfluss auf das Endergebnis nehmen. Ich habe dies bereits kurz im ersten Teil angerissen.

Auch den Bereich der Bildbearbeitung gibt es nicht erst seit dem Zeitalter der digitalen Fotografie. Techniken wie z.B. das Abwedeln oder Nachbelichten, werden schon seit langer Zeit in Dunkelkammern genutzt um Fotos bewusst zu manipulieren.

Update: Ok, ich muss mir wohl eingestehen, dass das Zitat von TillaPe, welches in einem anderen Zusammenhang stand, unpassend war und ihr sicherlich auch sauer aufgestoßen ist (siehe Kommentare). Nichtsdestotrotz ist an der Tatsache, dass die bewusste Manipulation von Fotos weitaus älter ist als die digitale Fotografie, erstmal nichts falsch.

Ob und ab wann die Bearbeitung von Fotos dem eigentlichen Motiv schadet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mal abgesehen von qualitativen Verlusten durch die direkte Bearbeitung auf Pixelebene natürlich.

Hierzu fällt mir noch ein Satz von Calvin Hollywood ein, der auf die Frage was für ihn Fotografie ist, vom Wortlaut her ungefähr Folgendes sagte:

Fotografie ist für mich alles, was in irgendeiner Weise ein richtiges Foto als Ausgangsbasis nutzt.

Auch hier ist mir die originale Quelle leider nicht mehr bekannt.

Die Wahrnehmung

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Wahrnehmung. Der Mensch nimmt das Leben in bewegten Bildern wahr. Standbilder sind für das menschliche Gehirn nicht üblich. Sieht man eine lächelnde Person, so nimmt man dies in Bewegung wahr und das Gehirn schafft das passende Bild dazu.

Genau aus diesem Grund wirken viele Schnappschüsse unvorteilhaft für die abgebildete Person. Aus demselben Grund wirkt ein gestelltes Lächeln auf einem Porträtfoto anders, als man es bei der Person in der Realität wahrnimmt.

Die Kombination aus Augen und Gehirn ist einfach nicht dafür gedacht, Standbilder zu verarbeiten.

Fazit

Fotos entsprechen nicht der Realität, und das ist auch ok. Macht Fotos, die euch gefallen und mit den Mitteln, die ihr gerne nutzen wollt. Schließlich müsst ihr am Ende mit eurer Arbeit zufrieden sein. Und denkt daran: Es wird immer Leute geben, die eure Fotos kritisieren.

Bei Auftragsarbeiten ist das natürlich etwas anderes, hier ist der Kunde König. ;)

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4 Kommentare zu “Fotografie entspricht nicht der Realität – Teil 3/3”

  1. Tilla Pe

    8. Januar 2012 um 08:59

    Hättest Du mich gefragt, dann hättest Du zum einen tatsächlich ein Originalzitat gehabt und zum anderen bemerken dürfen, dass es in einem komplett anderen Zusammenhang gefallen ist und mit Bildmanipulation in dem Sinn, wie Du sie anführst (Realität von Fotos) nicht das Geringste zu tun hatte.

  2. Marcel

    8. Januar 2012 um 13:50

    Hallo Tilla Pe,

    mir ist der Satz gestern Abend kurzfristig eingefallen und ohne den Zusammenhang, der mir mehr wirklich bewusst wahr, passte er meiner Meinung nach ganz gut. Tut mir leid wenn ich das alles etwas durcheinander geschmissen habe.

    Gruß Marcel

  3. Ofenrohr Fotoblog

    4. Mai 2012 um 23:39

    Ist auch alles Ansichts- bzw. Definitions-Sache. Wo fängt zB Bildbearbeitung an? Ein ehemaliger Dozent von mir meinte, alles was über Crop hinausgeht, sei im Fotojournalismus schon unzulässige Manipulation. Und selbst die Wahl des Objektivs stellt ja auch schon eine Art der Filterung dar.

  4. Marcel

    5. Mai 2012 um 00:15

    Ja, natürlich ist dies fraglich. Doch auch wenn man die Nachbearbeitung auf den “Crop” beschränkt, bleibt immer noch die Frage der Entwicklung (Ob nun analog oder digital, ob nun durch die Kamera oder Lightroom und Co.).